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01.03.2023

Frauenförderung vs. Gendergerechtigkeit

Am 8. März, dem Weltfrauentag, erinnern wir wieder daran, dass die Bemühungen und Maßnahmen zur Gleichstellung von Mann und Frau weiterhin dringend notwendig sind. Ziel ist, dass jede Frau und jedes Mädchen weltweit sicher, selbstbestimmt und unabhängig leben kann. Öffentlichkeitswirksame Diskussionen werden insbesondere rund um diesen Tag geführt und die Aufmerksamkeit ebbt oft schnell wieder ab. Aber was bedeutet das und wofür steht der Faire Handel - Frauenförderung oder Geschlechtergerechtigkeit? Die World Fair Trade Organization, das weltweit größte Fairhandelsnetzwerk, geht in einem Beitrag dieser Frage nach und gibt folgendes Statement ab: 

Frauenförderung vs. Geschlechtergerechtigkeit

"Als WFTO setzen wir uns in diesem Jahr für die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit ein, die als die vollständige Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen verstanden wird. Während sich Empowerment im Allgemeinen darauf bezieht, Frauen genauso mächtig wie Männer zu machen, um Gleichberechtigung zu erreichen, geht es bei Gerechtigkeit darum, zu hinterfragen, wer Macht hat und wie, und die Diskussion, dass es eine Notwendigkeit seitens des Machtinhabers gibt, Macht aufzugeben, um ein gerechtes System wiederherzustellen. In dieser Hinsicht erkennen wir die Mängel der Idee an, dass Frauen mehr Macht haben sollten, um Ungleichheit zu beenden, und fordern einen substanziellen Systemwandel durch ein Überdenken des spätkapitalistischen Wirtschaftssystems sowie der ungleichen Machtdynamiken, die es erzeugt (....), die sich auf das Geschlecht beziehen, aber nicht ausschließlich. In diesem Sinne ist Macht kein Ideal, das wir fördern sollten, sondern ein Konzept, das wir problematisieren und die starken Verbindungen mit einem Wirtschaftssystem mit einem Primat des Profits erkennen müssen, welches ungleiche Beziehungen in Bezug auf Geschlecht, Klasse, Kaste und Klimawandel schafft und sich auf den Zugang zu den Ressourcen auswirkt."

Einkaufen im Weltladen ist aktive Förderung von Frauen

Die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen ist ein wichtiges ZIEL des FAIREN HANDELS:

  • Frauen im Globalen Süden haben in Fair-Handelsorganisationen deutlich mehr Chancen, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, mit dem sie ein würdiges und selbstbestimmtes Leben führen können. 
  • Sie haben Zugang zu Bildung und Landbesitz und werden in Entscheidungsprozesse einbezogen.
  • Sie werden darin bestärkt, ihre Rechte wahrzunehmen und haben damit die Möglichkeit, sich auch in Gesellschaft und Politik einzumischen.
  • Die Stärkung von Frauen sowie die Förderung und Einbindung ihrer Potenziale kommen auch der Gemeinschaft zugute. Denn Frauen investieren ihr Einkommen vermehrt in Bildung, soziale Aktivitäten und Gesundheit. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl*.
  • Auch die Weltladenbewegung in Österreich ist fest in Frauenhand: Der Großteil der Weltläden wird von Frauen geleitet und in den Teams engagieren sich besonders Mitarbeiterinnen für den Fairen Handel.

Kommen Sie am 8. März in einen unserer Weltläden und entdecken und fair-kosten Sie wunderbare Produkte aus Frauenhand:

* Etwa den Kaffee Adelante, der die Frauenkooperative APROLMA aus Honduras und die Fraueninitiative der Genossenschaft UNICAFEC aus Peru stärkt. Frauen bewirtschaften ihr eigenes Land und bestimmen über ihr Einkommen. Ihre Bio-Arabica-Hochlandbohnen für den Kaffee ADELANTE werden in schonender Langzeit-Trommel-Röstung veredelt. 


Zudem können Sie in ausgewählten Weltläden für diesen Anlass gestaltete Postkarten "pflücken" und einer lieben Freundin in Form von ein paar persönlichen Worten Wertschätzung zukommen zu lassen.

Einige Weltläden haben auch eine spezielle Aktion geplant: 

Vor dem Weltladen hören Sie das Lied „Brot und Rosen“, gesungen von „Women of the World“. Bei dem „Brot-und-Rosen-Streik“ in Massachusetts kämpften im Jahr 1912 Frauen, die aus über 40 Nationen stammten, für ihre Interessen. Sie forderten nicht nur gerechten Lohn (Brot), sondern auch eine menschenwürdige Arbeits- und Lebensumgebung (Rosen).


Buchtipp zum Thema:
Zur Erteilung des Frauenwahlrechts
Essay
ISBN 978-3-99039-179-2
Gebunden mit Lesebändchen
Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Klaus Bonn
88 Seiten. Kleinformat
 

Harriet Taylor Mill war eine Frau, die wusste, was sie wollte: Freiheit im Denken und im Handeln. Vor allem aber wollte sie sich nicht den Zwängen der Konvention im biederen 19. Jahrhundert unterordnen, das einer Frau nur das Leben an der Seite eines Mannes zugestehen wollte. Sie war klug, schlagfertig und scherte sich nicht um den Skandal, den ihre Liaison mit John Stuart Mill in der Gesellschaft auslöste. Ihr gemeinsames Philosophieren und Arbeiten drehte sich auch und immer wieder um die Frauenfrage, und beide wussten um die Lösung derselben: Bildung! Bereits ihr erstes gemeinsames Werk On marriage and divorce (1830), in dem beide jeweils eigenständige Teile verfassten, wies auf die Probleme von Ehe und Scheidung und die Auswirkungen auf gemeinsame Kinder hin; beide betonten die Freiwilligkeit der Ehe wie aller anderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Folgerichtig können auch Harriet Taylors Engagement für die Frauenbewegung und ihre Schrift Zur Erteilung des Frauenwahlrechts (1851) als frühes Plädoyer für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau verstanden werden. Harriet Taylor und John Stuart Mill waren mit ihren Gedanken ihrer Zeit weit voraus. Ein Glanzstück der frühen Emanzipationsbewegung!


Bilder und Ideen von WFTO, Weltladen Laa, ARGE Weltläden und anerkannten Lieferant*innen