27.03.2018

Statement der ARGE Weltläden zum Film „The Green Lie / Die Grüne Lüge“

Der österreichische Regisseur Werner Boote hat gemeinsam mit Kathrin Hartmann, Autorin und Expertin für Greenwashing, einen neuen Dokumentarfilm mit dem Titel „The Green Lie“ in die Kinos gebracht. Gemeinsam führen die beiden in einer Art Doppelconférence durch den Film. Wir empfanden es als überflüssiges „Stilelement“ und – wie soll man es höflich sagen – unnötig.

Gemeinsam reisen die beiden an Orte, um beispielsweise der Produktion von Shrimps oder Fleisch auf den Grund zu gehen. Der Film hält nicht wirklich was der Titel verspricht. Gezeigt werden zwar einige schaurig schöne Bilder, hinterlegt mit mehrheitlich oberflächlichen Kommentaren und kaum Fakten. Die Themen, die leider – wie könnte es bei dieser Vielfalt auch anderes sein, nur angerissen werden, sind unter anderem Palmölproduktion in Monokulturen, Ölkatastrophen und deren Langzeitwirkungen, großflächiger Kohleabbau in Deutschland oder Landraub und der Widerstand der indigenen Bevölkerung. Schade, denn die spannenden und wichtigen Themen verdienten mehr Raum und eingehendere Behandlung. Damit gibt es für viele Zuseher und Zuseherinnen vermutlich kaum (neuere) Informationen oder Erkenntnisse und viele Verallgemeinerungen.

Wirklich bemerkenswert und für uns im negativen Sinne ist jedoch, dass auch der Faire Handel in die Greenwashing-Aktivitäten der Industrie mit einbezogen wird, unkommentiert, unreflektiert – das ist nicht nur falsch, sondern auch nicht fair. Konkret für den Weltladen-Kontext relevant werden zwei Produkte der EZA Fairer Handel, Equita-Schokoaufstrich und Orangen-Schoko-Kekse, von Werner Boote, der den verunsicherten Konsumenten mimt, aus einem Supermarktregal genommen, in den Einkaufswagen gegeben, um im nächsten Moment mit Kathrin Hartmann über Palmöl in (vorwiegend) Fertigprodukten zu sprechen. Hier kommt das erste „Schade“, um die Zeit und um die vertane Chance dieses wichtige Thema grundlegender zu behandeln.

Das Highlight sind die versierten Interviewpartner wie der Parade-Intellektuelle Noam Chomsky oder der indonesische Aktivist Feri Irawan, welche ernsthaft in ihren Bereichen um Veränderung bemüht sind. Anzurechnen ist Werner Boote und Kathrin Hartmann auch der globale Blick und die Recherche an Orten dieser Welt, an denen Mensch und Umwelt ausgebeutet werden.

In Summe sind es wichtige Anliegen, die thematisiert werden und ein guter Filmtitel, der leider nicht hält, was er verspricht.
 
Links zum Thema Palmöl:

 

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