06.10.2017

Pater Shay Cullen erhält den Friedensnobelpreis 2017 leider nicht

Pater Shay Cullen und der Friedensnobelpreis 2017, Thomas Hoyer und das gesamte Team der dwp eG Fairhandelsgenossenschaft Ravensburg, 06.10.2017

Wussten Sie’s: Der Friedensnobelpreis gebührt "dem, der den besten oder größten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten, für Abrüstung und der Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen gezeigt hat.“ Aber auch der konkrete Einsatz für Menschenrechte und auch die Umwelt wird seit 1960 geehrt. Seit 6. Oktober, 11.00 Uhr, ist es klar, dass der Friedensnobelpreis 2017 an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung geht. Die Auszeichnung der internationalen Kampagne zur atomaren Abrüstung, Ican, ist auch in unseren Augen mehr als verdient.

Dennoch: Wir von der dwp eG Fairhandelsgenossenschaft hätten es mehr als gerechtfertigt gefunden, wenn ein ganz besonderer Mensch, unser Freund Pater Shay Cullen, den Preis erhalten hätte. Das sahen auch mehrere Abgeordnete des Deutschen Bundestages so, die Anfang des Jahres unseren langjährigen Fairhandelspart-ner nominiert haben – allen voran Dr. Bärbel Kofler, die Menschenrechtsbeauftragte des Bundestages und langjährige Unterstützerin des Fairen Handels.

Sein Leben lang hat Shay sich einem Ziel gewidmet: Die oftmals menschenunwürdigen Verhältnisse für Kinder und Jugendliche auf den Philippinen zu verändern und sich für deren Rechte vor Ort einzusetzen. Aber auch seine engagierte, internationale Lobbyarbeit gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen haben ihn zu einem der weltweit bekanntesten Menschenrechtsaktivisten gemacht. 1974 gründete Pater Shay Cullen auf der philippinischen Hauptinsel Luzon die Organisation PREDA, die Kinder vor sexueller Ausbeutung, körperlicher und seelischer Gewalt und willkürlicher Verhaftung schützt. Hier bei PREDA erhalten sie Therapie und ein neues, behütetes Zuhause. Eines, das ihnen Halt gibt und wo sie auf ein späteres eigenständiges, selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden. In den vergangenen mehr als 40 Jahren war Shay Cullen ein echter Seelsorger für unzählige Kinder, die er mit seinem philippinischen Preda-Team aus Bordellen, Nachtclubs oder Gefängnissen „befreit“ hat. Aber mit dieser schlimmen Aufgabe, die traumatisierten Kinder und Jugendlichen zu thera-pieren und sie damit von ihren schrecklichen Erlebnissen zu befreien, wollte sich Shay Cullen nicht abfinden. Er hat daher bewusst ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das am Beginn eines Armutskreislaufes auf den Philippinen ansetzt: der Landflucht, die oftmals für die Kinder der abgewanderten Familien in Megastädten wie Manila auf der Straße oder in den Händen von Zuhältern bzw. korrupten Polizisten endet. Durch die Schaffung eines Absatzmarktes für fair gehandelte Mangoprodukte seit Beginn der 90er-Jahre gelingt es ihm und PREDA, regelmäßige und deutlich verbesserte Einkommen für verarmte Bauernfamilien vor Ort zu schaffen. Damit wird das Leben auf dem Land wieder lebenswert. Die Familien sehen Perspektiven für sich und zukünftige Generationen. „Der Erlös eines Mangobaumes reicht, um zwei Kindern im PREDA-Kinderschutzzentrum auf den Philippinen ein Jahr den Schulbesuch zu ermöglichen“, erklärt der gebürtige irische Priester.

Aber nicht nur die Mangobauern profitieren vom Export fair gehandelter Produkte. Ein Teil der Erlöse fließt direkt in die zehn Sozialprogramme von PREDA – vor allem in die beiden Heime für sexuell missbrauchte Mädchen und ehemalige Gefängniskinder.
Die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft steht als erster und wichtigster Partner für Mangoprodukte im Fairen Handel seit Jahrzehnten Seite an Seite mit Shay Cullen.Die enge, freund-schaftliche Zusammenarbeit mit ihm und PREDA zeigt eindrucksvoll, wie der Faire Handel Menschenrechte auf den Philippinen schützen und fördern kann. Bereits drei Mal war Pater Shay für den Friedensnobelpreis nominiert worden, als Anerkennung für seinen unermüdlichen und selbstlosen Einsatz, der ihn schon mehrfach in lebens-bedrohliche Situationen gebracht hat. Auch wenn die Auszeichnung in 2017 nicht an ihn ging, so ist schon die Nominierung eine wichtige Bestätigung seiner erfolgreichen Arbeit. Und wie er selbst sagt „Motivation und Unterstützung unzähliger Sozialarbeiter, Priester und anderer Aktivisten, die sich tagtäglich für die Menschenrechte auf den Philippinen einsetzen und dabei ihr Leben riskieren. (Lesen Sie dazu auch das angehängte Statement von Shay.) Wir sind stolz, einen Menschen wie Shay Cullen als Fair Trade-Partner, mehr noch als Freund, zu haben und werden ihn auch in den nächsten Jahren bei seiner Arbeit für Kinder und Jugendliche und den Schutz der Menschenrechte mit all unseren Kräften unterstützen.

Nominierung für den Friedensnobelpreis 2017 (übersetzt aus dem Englischen), Shay Cullen 5.Oktober 2017

Die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Bärbel Kofler, leitet den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages und nominierte im vergangenen Februar die Arbeit der PREDA Foundation von Pater Shay Cullen und seines Teams für den Friedensnobelpreis 2017. Dies kann leider erst jetzt bekannt gegeben werden. Die renommierte Nominierung für den Friedensnobelpreis durch eine solch herausragende parlamentarische Gruppe hebt die Arbeit der PREDA Stiftung und Hunderter philippinischer Menschenrechtsverfechter hervor, die sich unter extrem zuspitzenden Bedingungen gegen die Verletzung von Menschenrechten einsetzen. Es ist eine gefährliche und riskante Arbeit von Hunderten mutiger Filipinas und Filipinos, die hilflose Opfer verteidigen.

Rodrigo Duterte befahl seiner Polizei am 16.August 2017, dass sie „all jene erschießen sollen, die ein Teil der Drogenszene sind. Wenn sie Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen sind und den Weg zur Gerechtigkeit blockieren, erschießt sie“, ordnete er an.Er sagte außerdem, dass Menschenrechtsorgani-sationen möglicherweise mit polizeilichen Ermittlungen rechnen müssten, da sie seine Anti-Drogen-Kampagne kritisierten. „Eines Tages, ihr Menschenrechtsgruppen, werde ich auch gegen euch wegen Verschwörungsverdacht vorgehen, das ist sicher“, erklärte er den Medien. Schon im Dezember 2016 drohte er mehreren Menschenrechtsverteidigern, diese zu töten.

Trotz dieser entsetzlichen Warnungen setzen sich die Verfechter weiterhin für Menschenrechte ein, demonstrieren, schreiben und vertreten ihre Meinung für die Rechtstaatlichkeit und die Menschen-würde. Die Nominierung für den Friedensnobelpreis wird zwar nur an eine Person vergeben, aber diese gilt für alle Aktivisten. Sie ist ein Signal der Solidarität und Unterstützung für alle Menschenrechts-verteidiger. Janton ist ein Teenager, der vor kurzem Zuflucht und Schutz im PREDA Heim für Jungen suchte. Er fürchtete, dass er als drogenabhängig eingestuft wird und dann von einer Bürgerwehr oder der Polizei umgebracht wird. PREDA hat Hunderte von Jugendlichen vor Verletzungen ihrer Rechte geschützt, in-dem sie sie vor entsetzlich gefährlichen Gefängniszellen, von der Straße und gefahrvollen Situationen gerettet hat. Vermehrt junge Menschen werden von den Todeskommandos ausgewählt und bis zu 54 Kinder wurden bereits getötet.

Die geschätzte Gesamtanzahl an Ermordeten seit Mai 2016 liegt bei 12.700. Die eklatante Tötung des 17-jährigen Kian de los Santos im August diesen Jahres entzündete einen Ausbruch von Zorn und Wut unter der philippinischen Bevölkerung. Mittlerweile sagen 60 % der Befragten, dass sie glauben, dass nur die Armen umgebracht werden. Ein weiterer 14-jähriger Jugendlicher und sein Freund, 19 Jahre, wurden tot aufgefunden, die Gesichter in Plastik verpackt – Zeichen einer willkürlichen Hinrichtung. 70 % der Befragten in einer SWS-Umfrage sagten, dass sie sich fürchten, dass die Todeskommandos auf ihre Verwandten oder Nachbarn abzielen könnten. Die meisten der Angeklagten sind Teil der sehr armen Bevölkerungsgruppen, die umgebracht werden aufgrund des Missbrauchs von ein paar Gramm „Shabu“, einer illegalen Droge. Andere werden mittels einer Kopfgeldzahlung getötet. Dies hat den Schwerpunkt der jüngsten Senatsuntersuchungen über den Schmuggel in die Philippinen von großen Mengen an Crystal-Meth gelenkt, welches gemeinhin als „Shabu“ bekannt ist. Die Schmuggler seien Teil einer Gruppe aus der Stadt Davao, zu der der Sohn des Präsidenten Verbindungen hatte.

Der Präsident sagte, dass er zurücktreten würde, wenn die Vorwürfe beweisbar wären und dass er seinen Sohn umbringen würde, wenn dieser nachweislich illegale Drogen genommen hätte. Die Welle der Straßenproteste von Tausenden gegen die Tötungen hat gezeigt, dass die Mehrheit der philippinischen Bevölkerung inzwischen mit einer Stimme spricht und gegen die Tötungen und die Menschenrechtsverletzungen ist. Die harte Arbeit der Menschenrechtsverteidiger erzielt ein größeres öffentliches Bewusstsein für die moralischen Werte und die Rechtsstaatlichkeit. Einige der unterstützenden Medien prangern die Menschenrechtsverletzungen nun auch öffentlich an. Die Kirche findet ihre Stimme auch durch einige Meinungsführer wie Erzbischof Socrates Villegas und Bischof Pablo David von Caloocan, dem Ort in dem viele Jugendliche getötet wurden. Der Erzbischof bietet Polizisten Schutz, die ihre Beteiligung an den Tötungen und den Verletzungen der Menschenrechte durch willkürliche Hinrichtungen unschuldiger Menschen öffentlich bekennen. Aber trotzdem ist der Präsident in seiner Kampagne unnachgiebig. Es wird zitiert: „Ich sage euch, ich werde es verdreifachen. Pag hindi nasunod ang gusto ko; um das Drogenproblem meines Landes loszuwerden, könnt ihr mit 20.000 bis 30.000 weiteren Toten rechnen“, sagte Duterte laut Medienberichten in Davao City nach seiner Rückkehr von einem offiziellen Besuch in Japan. Während seiner Präsidentschaftskampagne kündigte er an, dass 100.000 Menschen sterben würden, wenn er seinen Krieg gegen das Verbrechen starten würde. Als Reaktion darauf wurde eine polizeiliche Operation intensiviert, die Verdächtige identifiziert, und bis zu 32 Verdächtige wurden in einer einzigen Nacht in der Provinz Bulacan getötet, während in der Metro Manila innerhalb 48 Stunden weitere 26 Menschen umgebracht wurden. Präsident Duterte sagte, dies sei eine gute Operation gewesen. „32 wurde in einem massiven Überfall in Bulacan getötet. Das ist gut. Wenn wir jeden Tag 32 töten könnten, dann könnten wir vielleicht das reduzieren, was unser Land plagt“, sagte er den Medien in einem Interview. Dies sind dunkle und schwierige Tage für diejenigen, die die Rechte der Menschen verteidigen, welche von den Todeskommandos bedroht werden und scheinbar unter behördlichem Schutz arbeiten. Laut mehreren Untersuchungen sind manche Polizisten in Zivilkleidung darunter. In dieser schwierigen Zeit unterzeichnete Dr. Bärbel Kofler, die Menschenrechtsbeauftragte des Bundestages und Mitglieder des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Nominierungsschreiben für den Friedensnobelpreis. Es ist für uns wichtig, internationale Unterstützung und Ermutigung zu bekommen, um den Kampf und die Verteidigung der Rechte der Armen und Verletzlichen fortzusetzen.

Shay Cullen zu Besuch im Weltladen Kufstein, (C) Pierzinger, Kufsteinblick

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