Fairer Handel

öffnen

Fairer Handel - eine Definition

öffnen

Im Jahr 2001 verabschiedete das Netzwerk FINE (bestehend aus FLO, IFAT, NEWS! und EFTA, den zu diesem Zeitpunkt vier größten internationalen Netzwerken des Fairen Handels) ein Dokument, in dem die Definition und die Prinzipien des Fairen Handels dargelegt wurden.

„Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent*innen und Arbeiter*innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fairhandelsorganisationen engagieren sich – gemeinsam mit den Verbraucher*nnen – für die Unterstützung der Produzent*innen, die Bewusstseinsbildung bei den Konsument*innen sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“

Quelle:
WFTO und FLO, Eine Grundsatz-Charta für den Fairen Handel (http://www.fairtrade.de/cms/media/pdf/was_ist_fairer_handel/fairtrade_Grundsatz_Charta_des_fairen_Handels.pdf), Januar 2009. 

Worum geht es im Fairen Handel?

öffnen

Die zentrale Zielgruppe des Fairen Handels sind benachteiligte Kleinbäuerinnen und-bauern, Handwerksproduzent*innen sowie Lohnarbeiter*innen auf Plantagen und in Fabriken im globalen Süden. Diesen Menschen sollen durch den Fairen Handel neue Perspektiven und (individuelle und kollektive) Chancen eröffnet werden.

Dies soll auf zweierlei Wegen erreicht werden:

  1. durch die Öffnung von neuen Märkten und Zahlung von fairen Preisen.
  2. durch Änderungen im internationalen Handelssystem und zwar hin zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

Von der EU wird der Faire Handel als eine der „effektivsten, effizientesten und nachhaltigsten Formen der Entwicklungszusammenarbeit“ anerkannt.

Was bietet der Faire Handel besonderes?

öffnen

Der Faire Handel bietet seinen Handelspartner*innen folgende Leistungen:

Marktzugang für wirtschaftlich benachteiligte Produzent*innen – unter Berücksichtigung kurzer und transparenter Handelsketten und der Förderung von traditionellen Produktionsformen.

Langfristige und faire Handelsbeziehungen: Berücksichtigung aller – direkten und indirekten – Produktionskosten, einschließlich des Schutzes der natürlichen Ressourcen (u.a. Förderung von Bio-Anbau) und der Deckung des zukünftigen Investitionsbedarfs; gemeinsame Bestimmung der Preise und Zahlungsbedingungen (einschließlich der Vorauszahlung auf Wunsch); Verpflichtung zur langfristigen Handelspartnerschaft; Zusammenarbeit auf Basis von Informationsaustausch und Planung, Sicherung angemessener Arbeitsbedingungen.

Aufbau von Fähigkeiten und Stärkung der Organisationen („Capacity Building und Empowerment“): Erwerb eines weitgehenden Verständnisses der Marktbedingungen und -trends; Entwicklung von Wissen, Fähigkeiten und Ressourcen.

Sensibilisierung der Verbraucher*innen und politische Arbeit im Interesse der Produzent*innen („Advocacy“): Mit der Unterstützung der Konsument*innen können Fairhandelsorganisationen als Fürsprecher*innen und Vorkämpfer*innen für umfassendere Reformen der internationalen Handelsregeln auftreten, um das übergeordnete Ziel eines gerechten und ausgeglichenen Welthandelssystems zu erreichen.

Geschäftsabschlüsse sind Teil eines impliziten „Sozialvertrags“: Seitens der Käufer*innen (einschließlich der Endkund*innen) besteht die Bereitschaft zur Zahlung eines fairen Preises sowie zur Gewährung von Vorfinanzierung und Schulungsangeboten, seitens der Produzent*innen die Verbesserung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen.

Welche Prinzipien gelten?

öffnen

Der Faire Handel im Sinne der Weltladenbewegung orientiert sich an den 10 Standards der World Fair Trade Organization (WFTO). Für die Weltläden sind sie verpflichtend. Fairer Handel definiert sich laut diesen durch:

  1. das Schaffen von Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzent*innen,
  2. Transparenz und Verantwortlichkeit,
  3. partnerschaftliche Handelspraktiken,
  4. Zahlung fairer Preise,
  5. Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit und Zwangsarbeit,
  6. Geschlechtergleichheit, Versammlungsfreiheit, Vermeiden von Diskriminierung,
  7. die Sicherstellung guter Arbeitsbedingungen,
  8. Unterstützung beim Aufbau von Handlungskompetenz und Wissen („Capacity Building“),
  9. Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit für den Fairen Handel,
  10. Umweltschutz.

Internationale Charta des Fairen Handels – FAIR TRADE CHARTER

Im September 2018 wurde ein Referenzdokument für die globale Bewegung des Fairen Handels präsentiert. Es handelt sich um definierte Werte, die alle Mitglieder weltweit vereint: Bewegung des Fairen Handels für mehr Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und eine ganzheitliche Entwicklung, die unsere Welt auch nachfolgenden Generationen gut/verantwortungsvoll hinterlässt. Die Arbeitsgemeinschaft Weltläden hat diese Charta unterzeichnet.

Weiterführende Informationen

Fairer Handel in Österreich und weltweit

öffnen

Fairer Handel in Österreich: Wer gehört dazu?

öffnen

Die erste Organisation des Fairen Handels in Österreich wurde 1975 gegründet. Heute ist die in Weng/Köstendorf (in der Nähe von Salzburg) angesiedelte EZA Fairer Handel GmbH die größte Importorganisation des Fairen Handels in Österreich. Neben dem Import- und dem Großhandelsgeschäft betreibt das Unternehmen auch noch drei eigene Weltläden – Fachgeschäfte des Fairen Handels – in Wien und Salzburg.

Im Jahre 1977 eröffnete in der Universitätsstraße in Innsbruck der erste Weltladen Österreichs Bis heute hat der Weltladen seinen Sitz an diesem historischen Standort.

Als die ersten Weltläden sich 1982 zur ARGE Weltläden zusammenschlossen, konnten ihre Betreiber*innen nicht ahnen, dass Österreich Jahrzehnte später von einem dichten Netz von Fachgeschäften des Fairen Handels durchzogen sein würde. Mitte der 1990er gab es bereits über 50 Weltläden in Österreich. 2019 zählt die ARGE Weltläden 90 Weltläden in ganz Österreich zu ihren Mitgliedern (gemeinschaftlich geführt von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen).

Die ARGE Weltläden ist Mitglied der World Fair Trade Organzisation (WFTO), von FAIRTRADE Österreich, Oikokredit, der Clean Clothes Kampagne und dem Netzwerk für Soziale Verantwortung (NeSoVe). Anlassbezogene Kooperationen finden mit FIAN und Via Campesina und weiteren Organisationen der Zivilgesellschaft statt.

Ende der 1980er Jahre entstand in Niklasdorf/Steiermark die Firma Eine Welt Handel (EWH). Weiters zählen die deutschen Importorganisationen dwp eG Fairhandelsgenossenschaft und CONTIGO Fairtrade GmbH, sowie die Zotter Schokoladen Manufaktur GmbH zu wichtigen Lieferanten der Weltläden. Eine Liste aller aktuellen anerkannten Lieferant*innen ist auf der Website der Weltläden einsehbar: www.weltladen.at

FAIRTRADE Österreich wurde 1993 als gemeinnütziger Verein (damals noch unter dem Namen TransFair) von Organisationen aus den Bereichen des Fairen Handels (EZA Fairer Handel und der ARGE Weltläden), der Entwicklungspolitik, Bildung, Ökologie und Religion gegründet, mit dem Ziel fair gehandelte Produkte möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Als nationale Fairtrade-Organisation vergibt sie das FAIRTRADE-Gütesiegel für Produkte, die nach den internationalen FAIRTRADE-Standards (soziale und ökologische Mindestanforderungen) hergestellt und gehandelt werden. Sie fördert den Verkauf und Konsum von zertifizierten FAIRTRADE-Produkten in Österreich, betreibt aber selbst keinen Handel. Die ersten Fairtrade-zertifizierten Produkte waren Kaffee (1993), Tee (1994) und Kakao (1996). Mittlerweile sind es über 1.900 Produkte (geschätzter Gesamtumsatz 2017: 304 Millionen Euro). FAIRTRADE konnte viele Unternehmen, Gemeinden und Schulen davon überzeugen, in den Fairen Handel einzusteigen.

Quelle: Fakten und Zahlen FAIRTRADE Österreich 2017

Darüber hinaus gibt es in Österreich weitere Organisationen, die sich mit dem Fairen Handel auf die eine oder andere Art und Weise beschäftigen, sei es durch Spezialisierung auf einen Themenbereich oder ein Produkt (z.B. die Clean Clothes Campaign für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie). Einige Organisationen widmen sich der Informations- und Bildungsarbeit zu diesen Themen, wie z.B. die Südwind-Agentur oder BAOBAB

Fairer Handel international: Wer gehört dazu?

öffnen

Auf internationaler Ebene gibt es folgende Netzwerke:

Fairtrade International: Die Gründung erfolgte 1997 unter dem Namen Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) mit dem Ziel, die nationalen Fairtrade-Organisationen unter einem Dach zu vereinen und die weltweiten Standards und Zertifizierungen zu harmonisieren. Das Fairtrade-System besteht aus Fairtrade International, 19 nationalen Fairtrade-Organisationen, drei Produzent*innen-Netzwerken und acht Fairtrade-Marketingorganisationen (FMOs).
FLO arbeitet eng mit der FLO-CERT GmbH zusammen. FLO-CERT überprüft und zertifiziert anhand der von FLO entwickelten Standards die Produzent*innen und Händler*innen. Zu den Aufgaben von Fairtrade International gehört u.a. die Festlegung von Fairtrade-Standards, Preisen und Prämien, die laufende Entwicklung von Standards für neue Produktgruppen, die Koordination der globalen Strategie, die Unterstützung von Produzent*innen, der Aufbau von Märkten sowie internationale Lobby-Arbeit für Handelsgerechtigkeit. (https://www.fairtrade.net)

FLO-CERT GmbH (Gründung 2004): Die Aufgaben bestehen in der Durchführung der externen Kontrollen (Einhaltung der FLO-Standards, Warenflusskontrolle der Rohstoffe, Kontrolle der Lizenznehmer). FLO-CERT hat sich nach ISO 65 als unabhängige Zertifizierungsorganisation akkreditieren lassen (http://www.flo-cert.net).

World Fair Trade Organization (WFTO), die internationale Dachorganisation für Fair-Handels-Organisationen aller Kontinente, ist das einzige globale Netzwerk, das sich aus Akteur*innen entlang der gesamten Fair-Handels-Wertschöpfungskette – also von der Produktion bis hin zum Verkauf – zusammensetzt. Die WFTO, 1989 gegründet, hat über 400 Mitglieder in 70 Ländern. Das Büro befindet sich in Culemborg, Niederlande. Von dort werden die weltweiten Aktivitäten koordiniert.
Regionale Vertretungen: WFTO Europe (https://wfto-europe.org), Cooperation for Fair Trade in Africa (COFTA), WFTO-Asia, WFTO-Latin America, WFTO-Pacific (Nordamerika und Pazifik). NEWS! (Netzwerk der europäischen Weltläden) wurde in WFTO Europe integriert.
Die WFTO überprüft die Verpflichtungen ihrer Mitglieder zum Fairen Handel durch Peer-Reviews und unabhängige Audits.

Kernaufgaben und Ziele der WFTO: partnerschaftliche Entwicklung, Umsetzung sowie Gewährleistung der Einhaltung von weltweit gültigen Fair-Handels-Standards, Schaffung von mehr Gerechtigkeit im Welthandel zu Gunsten der benachteiligten Produzent*innen durch politische Einflussnahme und die Vernetzung von Fairhandelsorganisationen. (https://wfto.com)

Die globale Struktur der WFTO umfasst die Vollversammlung (AGM), den Präsidenten (derzeit: Rudi Dalvai), den Vorstand, die Geschäftsführung, den Bürositz sowie die regionalen Einheiten und Arbeitsgruppen.

Factsheet WFTO Oktober 2018: wfto.com/wfto-factsheet-october-2018

EFTA (European Fair Trade Association): Gründung 1987; Mitglieder: zurzeit ein Netzwerk von neun Fair-Trade-Importeuren mit Sitz in acht europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Schweiz und Großbritannien). Ziel: Synergien schaffen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern in verschiedenen Bereichen (Handel, Informationsaustausch, Arbeitsteilung, Durchführung gemeinsamer Projekte) fördern. (https://www.newefta.org/)

FTAO (Fair Trade Advocacy Office) wurde 2004 von den damaligen führenden Dachorganisationen – Fairtrade international, WFTO, EFTA und NEWS! (Network of European Worldshops) – gegründet. Arbeitsschwerpunkte: Die FTAO koordiniert die politische Lobbyarbeit von der WFTO-Europe auf EU-Ebene, von Fairtrade international und der EFTA; z.B. Teilnahme an EU-Konsultationen und Stellungnahmen zur Verantwortung der EU-Politik sowie gezielte Aktionen und Informationsveranstaltungen. (http://www.fairtrade-advocacy.org/)

Fairer Handel und Du

öffnen

Was kann ich zur Stärkung des Fairen Handels beitragen?

öffnen

Jede und jeder Einzelne kann – abhängig von Alter, Beruf, Zeitressourcen, Vernetzungsmöglichkeiten – auch aktiv einen Beitrag leisten, um den Fairen Handel zu stärken. Hier einige erprobte Beispiele und Anregungen für ein Engagement im Fairen Handel:

Fairen Handel zum Thema machen:

  • Rede darüber!
  • Ein Faires Frühstück oder einen Fairen Brunch organisieren und Freunde dazu einladen.
  • „fairtragen“ – faire Kleidung/Schmuck/Taschen tragen und darüber sprechen.
  • „fairschenken“ – Geschenke im Weltladen kaufen und Infos darüber weitergeben.
  • Facebook und andere (soziale) Medien nutzen: Poste deine Überzeugungen zu Fairem Handel und teile dementsprechende Beiträge von befreundeten Seiten. Empfiehl die Seiten des Fairen Handels weiter!
  • Besuche den Weltladentag – einmal jährlich im Mai findet der Weltladentag im Rahmen von Kampagnenwochen statt. Neben Informationen gibt es aktive Teilnahmemöglichkeiten in vielen Weltläden.

Lehrer*innen und Lehrer:

  • Weltläden/Einen Weltladen als Lernort entdecken und den Weltladen/diesen/diese bei der Bildungsarbeit unterstützen, z.B. mit Schulklassen den Weltladen besuchen (bitte vorher anmelden).
  • Fortbildungen organisieren und besuchen – zum Beispiel zu Globalem Lernen von Südwind: www.suedwind.at
  • Einen Fair Trade Point in der Schule einrichten – in Kooperation mit einem Weltladen. Fair Trade Points sind eine Art mobiler Weltladen mit einem ausgewählten Sortiment fair gehandelter Produkte, die von Schüler*innen/Lehrer*innen betreut werden. Sie helfen, sich mit den Grundregeln des Fairen Handels vertraut zu machen. Fair Trade Points gibt es österreichweit an Schulen und sie werden gerne auch am „Tag der offenen Tür“ oder bei Elternabenden eingesetzt.
  • Praktikum im Weltladen? Informiere deine Schüler*innen über diese Möglichkeit.
  • Workshops für Schüler*innen anfordern. In vielen Weltläden gibt es Bildungsverantwortliche, die zu Themen wie Kinderrechte, Bedingungen der Schokoladenproduktion, Klimawandel etc. Workshops vorbereitet haben und gerne auch in Schulen durchführen.

Schüler*innen/Lehrlinge/Studierende:

  • Schnuppertag/Mitarbeit/Praktikum im Weltladen? Frage nach, ob das im Weltladen in deiner Nähe möglich ist.
  • Ferienjob im Weltladen? Frage rechtzeitig im Weltladen nach, ob Bedarf besteht (am besten ein halbes Jahr vorher). Wenn ja, besuche den Grundkurs „Fairer Handel“ der ARGE Weltläden und bringe dich aktiv in das Weltladengeschehen ein (im Verkauf, bei Veranstaltungen usw.).
  • Fachbereichsarbeit/Diplomarbeit/wissenschaftliche Publikation schreiben und Aspekte und Entwicklungen des Fairen Handels thematisieren.
  • Interviews – Mitarbeiter*innen der Arbeitsgemeinschaft Weltläden oder von Weltläden stehen für ein Gespräch gerne zur Verfügung.

Verantwortliche in Unternehmen

Viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren dazu entschlossen, den Fairen Handel zu unterstützen. Auch dafür gibt es eine große Bandbreite an Möglichkeiten, die vom Bezug eines Einzelproduktes, z.B. Kaffee, über Weihnachtsgeschenke für Mitarbeiter*innen bis hin zu Umstellungen im Beschaffungswesen reichen kann.

Pfarren als Kooperationspartner

In vielen Pfarren gehört ein Workshop mit Firmlingen/Konfirmand*innen im Weltladen schon zur Tradition. Der Weltgebetstag der Frauen (Anfang März) und der Weltmissionssonntag (Ende Oktober) sind ebenfalls gute Gelegenheiten, um Produkte des Fairen Handels vorzustellen, zu verkaufen und über den Fairen Handel zu informieren.

FAIRTRADE-Gemeinde werden und bleiben!

Die Initiative „FAIRTRADE Towns“ , im Jahr 2000 in England entstanden, setzt sich seit 2007 auch in Österreich immer mehr durch: Städte, Bezirke und Gemeinden, die sich verpflichten, den Fairen Handel auf lokaler Ebene zu verankern und zu unterstützen, sowie auf die Beschaffung fair gehandelter Produkte in der Gemeinde umstellen wollen, können der Initiative „Faire Gemeinde“ beitreten. Dazu müssen fünf Ziele erreicht werden:

• Ziel 1: Die Gemeinde bekennt sich zu FAIRTRADE.

• Ziel 2: Engagement in der FAIRTRADE-Gruppe

• Ziel 3: FAIRTRADE-Produkte leicht verfügbar machen

• Ziel 4: Lobbying in der Gemeinde für FAIRTRADE-Produkte

• Ziel 5: FAIRTRADE bewerben

Weltweit gibt es bereits über 2.000 Fair Trade Towns in 30 Ländern. Auch in Österreich gibt es mittlerweile über 180 FAIRTRADE-Gemeinden (Stand: Jänner 2019). Weitere Informationen gibt es bei FAIRTRADE Österreich: www.fairtrade.at. In Österreich arbeiten Weltläden in FAIRTRADE-Gemeinde-Arbeitsgruppen mit, um den Fairen Handel zu stärken.

Konsument*innen haben Macht!

Wir alle sind Konsument*innen und entscheiden täglich nicht nur darüber, was wir brauchen und kaufen, sondern vor allem auch darüber, unter welchen Bedingungen diese Produkte hergestellt werden. Zu vielen Produkten des täglichen Bedarfs gibt es schon eine fair gehandelte Variante, z.B. Kaffee, Tee, Schokolade, aber auch Kleidung, Spielzeug, Kunsthandwerk und bio-faire Kosmetika lassen sich im Weltladen finden. Die Nachfrage bestimmt das Angebot: Aktives Fragen nach ökologisch und fair produzierten Produkten lohnt sich in jedem Geschäft, Gasthaus, Café, Bildungshaus, Hotel usw.

Weltladentag feiern

Fairer Handel beschränkt sich nicht nur auf den Konsum von fair gehandelten Produkten. Wesentlich ist auch, sich aktiv für eine Veränderung der globalen Ungerechtigkeiten, also für weltweit faire Lebensbedingungen einzusetzen. Interessierte Menschen haben die Möglichkeit, sich in Kampagnen des Fairen Handels einzuklinken, z.B. im Rahmen des alljährlich im Mai stattfindenden Weltladentages (World Fair Trade Day).

Ein sinnvolles Ehrenamt finden

Die Weltläden sind immer wieder auf der Suche nach Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren – sei es projektbezogen (z.B. bei einer Fairen Modenschau, am Weltladentag oder anderen Veranstaltungen), auf lange Sicht im Verkauf, in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Vorstand des Vereins. Hier findest Du den Weltladen in deiner Nähe: www.weltladen.at

Wer beantwortet meine restlichen Fragen?

Eine Broschüre kann natürlich nicht alle Fragen beantworten. Der Faire Handel entwickelt sich ständig weiter und bringt damit immer wieder neue Themen ein. Wir freuen uns über weitere Fragen und werden versuchen, sie zu beantworten.

Fairer Preis und Wertschöpfung

öffnen

Was heißt hier Fairer Preis?

öffnen

Im Fairen Handel zahlen zertifizierte Händler der ProduzentInnengruppe einen fairen Preis der Verschiedenstes abdeckt.

Im Fairen Handel zahlen zertifizierte Händler der ProduzentInnengruppe einen Preis, der sowohl die durchschnittlichen Produktionskosten deckt als auch zur Deckung der Lebenshaltungskosten ausreicht und daneben auch noch etwas übrig lässt für gemeinschaftliche, entwicklungsbezogene Aktivitäten der Genossenschaften und Betriebe.

Was allerdings im Detail unter einem „fairen Preis“ zu verstehen sein soll, das bereitet dem Fairen Handel seit Anbeginn Schwierigkeiten, und wird wohl auch immer Gegenstand intensiver Diskussionen bleiben. Dies ist nicht zuletzt auch Ausdruck der Tatsache, dass die Lebensrealitäten in vielen Ländern der Welt doch sehr unterschiedlich sind und nicht so einfach verglichen werden können. Was für die einen ProduzentInnen also schon ein „fairer“ Preis sein mag, kann in einem anderen Land womöglich noch nicht einmal ausreichen, um die Produktionskosten zu decken.

Im Rahmen der Entwicklung des FAIRTRADE-Gütesiegels (siehe „Was garantiert das FAIRTRADE-Gütesiegel?“) sind weltweit einheitliche Regelungen eingeführt worden, die auf die jahrzehntelangen Erfahrungen spezialisierter Fairhandelsorganisationen aufbauen.

Für jedes der besiegelten Produkte gibt es:

  • Einen garantierten Mindestpreis (Fairtrade Minimum Price, unabhängig vom Weltmarktpreis): Liegt der jeweilige (Welt)marktpreis darüber, muss der höhere Marktpreis vom Händler an die ProduzentInnengruppe bezahlt werden.
  • Einen für Entwicklungsprojekte reservierten Zuschlag, der als FAIRTRADE-Prämie bezeichnet wird. Die ProduzentInnenorganisationen erhalten von den HändlerInnen eine FAIRTRADE-Prämie, die für gemeinnützige Projekte (für Soziales, Infrastruktur und Bildung) oder auch Investitionen in die Produktion verwendet werden kann.
  • Darüber hinaus gibt es auch noch Zuschläge für Bio-Qualität.

Je nach Lage auf dem Weltmarkt, sprich an den Rohstoff-Warenbörsen, können die vom Fairen Handel bezahlten Preise im Vergleich für die Bäuerinnen und Bauern einen Riesenvorteil oder auch nur eine geringe Besserstellung darstellen. Im Gegensatz zu den anonymen Marktmechanismen strebt der Faire Handel aber immer eine existenzsichernde Absicherung nach unten an!

Für viele HandelspartnerInnen ist es nicht so sehr der Preis selbst, der im Vordergrund steht, als vielmehr andere wichtige Aspekte, die zu einer „fairen“ Handelsbeziehung gehören, wie die Verpflichtung der Abnehmer Vorauszahlungen zu leisten, wenn dies seitens der ProduzentInnen gewünscht wird, längerfristigere Verträge, usw.

Bei Handwerksprodukten sind die Preise des Fairen Handels für die HandelspartnerInnen manchmal nicht höher als die des kommerziellen Handels. Für Handwerksprodukte gibt es keine (relativ einheitlichen) Weltmarktpreise: Es gibt einfach eine zu große Vielfalt an unterschiedlichen Produkten mit verschiedenen Verwendungszwecken, die aus unterschiedlichen Rohstoffen und in unterschiedlicher Produktionsweise hergestellt werden. Ein „fairer“ Preis für einzelne Handwerksprodukte lässt sich dann oft nicht einmal mehr im zeitintensiven Dialog mit den HandelspartnerInnen ermitteln.

Aber auch hier sind es oft andere Aspekte, die für die ProduzentInnen genauso wichtig oder noch wichtiger sind, wie z.B. langfristige Zusammenarbeit oder auch Aktivitäten in Richtung gemeinsamer Produkt- und Qualitätsentwicklung.

Wie viel vom EndverbraucherInnenpreis eines fair gehandelten Produktes bekommen die ProduzentInnen?

öffnen

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage lässt sich nicht geben...

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage lässt sich nicht geben. Dazu sind die Elemente, die in die Gestaltung des Endverkaufspreises einfließen, einfach zu unterschiedlich.

Aufschluss über das Zusammenspiel unterschiedlicher Aspekte der Preiszusammensetzung (das Produkt selbst, die ProduzentInnengruppen, die ökonomische Realität des Landes, die Kostenstruktur der Importeure (z.B. unterschiedlich hohe Zölle, usw.) sowie auch die Handelsspannen, die für Großhandel und Einzelhandel reserviert werden) bieten am besten so genannte Musterkalkulationen, die von einigen Fairhandelsorganisationen regelmäßig zu einzelnen Produkten publiziert werden. Sie deuten darauf hin, dass der den ProduzentInnen am einzelnen Produkt zukommende Prozentanteil des Nettoverkaufspreises (also abzüglich der dem Finanzministerium zufließenden Umsatzsteuer) zwischen rund 15% und 35-40% liegen kann.

Wie viele US$ oder Euro für das einzelne Rohprodukt mit Gütesiegel zu zahlen sind, legen die Standards der Gütesiegelorganisationen im Detail fest. Diese sind für jedes einzelne Produkt unter www.fairtrade.net abrufbar.

Die Beantwortung der Eingangsfrage ist aber auch deshalb schwierig, weil der Faire Handel ja grundsätzlich seine Überweisungen nicht an die einzelnen ProduzentInnen tätigt, sondern an deren Organisationen (z.B. Genossenschaft oder Dorfgruppe) oder ihre Arbeitgeber.

Bei organisierten KleinproduzentInnen wird ein Teil des „Fairen Preises“ zur Deckung der Kosten oder für Investitionen der Organisation verwendet, ein weiterer Teil oft für Gemeinschaftsprojekte, wie Gesundheitsstationen oder Schulprojekte reserviert.

 

Im Fall von Unternehmen werden in der Regel mit der Unternehmensführung und den gewählten ArbeitervertreterInnen Vereinbarungen getroffen, die die Unternehmen verpflichten, den Mehrpreis für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zusätzliche soziale Leistungen zu verwenden.

Warum kosten Fair gehandelte Produkte oft unterschiedlich viel, je nachdem wo ich sie kaufe?

öffnen

Die Gütesiegelorganisationen geben nur Preise auf der PartnerInnenseite vor.

Was den ProduzentInnen für das einzelne Produkt zu bezahlen ist, ist durch die produktspezifischen FLO-Standards bis ins Detail geregelt.

Die Endverkaufspreise, zu denen das Produkt dann letztlich im Geschäft erworben werden kann, sind hingegen nicht geregelt, und auch von Gesetzes wegen nicht regelbar. Hier entscheidet jedes einzelne Unternehmen, aufgrund seiner eigenen Kostenstruktur oder etwaiger taktischer oder strategischer Überlegungen, in welcher Höhe es den Preis für das einzelne Produkt fixiert.

Sind Fair gehandelte Produkte zu teuer?

öffnen

Auf den ersten Blick mag es manchmal so scheinen, als wären Produkte des Fairen Handels für die KonsumentInnen teurer als konventionelle.

Oft hat dieser Eindruck seine Ursache leider in einem schiefen Vergleich, wenn z.B. Bio-Kaffee aus Fairem Handel mit einem Billigkaffee eines Discounters verglichen wird. Da kann und will der Faire Handel nicht mithalten! Bei Preisvergleichen zwischen konventionellen und FAIRTRADE-Produkten muss man daher darauf achten, Produkte derselben Qualitätskategorie zu vergleichen (z.B. Bio oder nicht Bio-Qualität, FAIRTRADE-Kaffee vs. konventionellen reinen Arabica-Sorten).

Nicht alle FAIRTRADE-Produkte kosten tatsächlich mehr als ihre konventionellen Gegenstücke. Wenn das aber der Fall ist, geht es doch oft nur um überschaubare Dimensionen. Bei den Bananen z.B. beträgt der Unterschied manchmal bis zu einem Euro pro Kilo, pro Einzelfrucht also rund 20 Euro-Cent mehr.

Dafür gibt es verschiedene Erklärungsmöglichkeiten:

  • Fair gehandelte Produkte sind oft aufgrund der besonderen Produktionsmethoden von höherer Qualität.
  • Größenordnung der Produktion: Kleine Losgrößen kommen ProduzentInnen und VerarbeiterInnen bei jedem Schritt (Verpackung, Transport etc.) teurer zu stehen, weil sie bei Preisverhandlungen nicht große Mengen anbieten können.
  • Die Endverbraucherpreise werden von den Einzelhandelsfirmen festgesetzt. Weder FLO noch die nationalen FAIRTRADE-Initiativen üben Einfluss auf die Preisgestaltung im Einzelhandel aus. FLO setzt nur den Preis fest, der vom Händler direkt an die ProduzentInnenorganisationen bezahlt werden muss.

Letztlich sind diese Beträge der Preis für die ethische Qualität, also das hohe Maß an Umwelt- und vor allem Sozialverträglichkeit, das in jedem Produkt des Fairen Handels mitgekauft wird. Für einen fairen Preis bekommen die KundInnen zumeist ein Spitzenprodukt, welches nicht nur ihnen Freude und Genuss bereitet, sondern auch denjenigen, die es hergestellt haben, und auch für die Umwelt positive Auswirkungen hat.

Wo und wie finde ich Produkte aus dem Fairen Handel?

öffnen

Anders als früher lassen sich Produkte des Fairen Handels in ganz Österreich heutzutage leicht finden.

Über 90 Weltläden, die Fachgeschäfte für Fairen Handel und Verkaufsstellen, bieten eine attraktive Vielfalt an fair gehandelten Waren: Lebensmittel (wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, usw.), bio-faire Mode, Körperpflege- und Homestyle-Produkte, sowie ein breites Sortiment an (Kunst-)Handwerksprodukten (Schmuck & Accessoires, Taschen & Lederwaren).

So sind eine ganze Reihe von Lebensmittelprodukten (wie Aufstriche, diverse Fruchtsäfte, frische Früchte (wie Ananas, Kiwi, etc.), Getreide, Gewürze, Honig, Hülsenfrüchte, Kaffee, Kakao, Reis, Schokolade, Speiseöl, Süßwaren, Tee, Trockenfrüchte/Nüsse, Zucker) sowie einige wenige Non-Food-Produkte (Baumwollprodukte, Fußbälle und Rosen) in insgesamt rund 5.000 Geschäften österreichweit erhältlich. Hier unterscheidet das FAIRTRADE-Gütesiegel die fair gehandelten Produkte vom Rest des Sortiments.

Auch mehr als 1.500 Cafés, Bäckereien, Hotels, Restaurants und Kantinen sind landesweit inzwischen auf einzelne Fairtrade-Produkte umgestiegen.1 In diesen Fällen lohnt ein zielgerichteter Blick in die Speisenkarte oder ein genaues Hinschauen und/oder Nachfragen.

Kunsthandwerkprodukte tragen kein FAIRTRADE-Gütesiegel, das für agrarische Produkte entwickelt worden ist und sich eigentlich nicht auf Handwerksprodukte anwenden lässt. Es ist nämlich schwierig bzw. unmöglich, einheitliche Standards für kunsthandwerkliche Produkte zu erarbeiten, denn die Produkte bestehen häufig aus verschiedenen Materialien; die Bestandteile werden oft von unterschiedlichen ProduzentInnen bezogen; die Produktionsprozesse für die einzelnen Materialien sind sehr unterschiedlich. Trotzdem gibt es zahlreiche Kunsthandwerkprodukte aus Fairem Handel. Man erkennt sie am Logo der WFTO bzw. an den Logos der Fairhandelsorganisationen.

Quelle:
FAIRTRADE Österreich, Jahresbericht 2012/13, April 2013 (http://www.fairtrade.at/fileadmin/user_upload/PDFs/Download/FAIRTRADE_Jahresberichte/FT_JB1213_web.pdf).

Fair gehandelte Produkte im Weltladen und bei anderen: Ist es dasselbe?

öffnen

Ja und nein.

FAIRTRADE-Produkte in den großen Supermarktketten stammen von den gleichen, manchmal auch denselben ProduzentInnenorganisationen wie im Weltladen. Das Produkt wurde diesen auch zu den gleichen Bedingungen abgekauft. In beiden Fällen steht das FAIRTRADE-Gütesiegel als Garant dafür, dass hier ein Produkt aus kontrollierter Quelle zu fairen Bedingungen bezogen wurde.

Dennoch bleibt ein nicht unwichtiger Unterschied bestehen: Der Preis, den ich für ein Produkt bezahle, wird auf die gesamte Handelskette aufgeteilt, und davon müssen alle Glieder dieser Kette leben können. Bei einem Einkauf im klassischen Fairen Handel verbleibt der Nettopreis zu 100% im Fairen Handel und seinen Strukturen (wie dem Weltladen selbst oder anerkannten Fairtrade-Importeuren) und kann somit für die Stärkung dieser Strukturen oder auch für Informations- und Bildungsarbeit genutzt werden. Beim Einkauf in anderen Verkaufskanälen ist dies nicht der Fall.

Gibt es Zwischenhandel im Fairen Handel?

öffnen

Der direkte Handelsaustausch zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen ist (noch?) nicht möglich.

Um die Distanz zwischen beiden zu überbrücken, braucht es die verschiedenen Glieder, die zur arbeitsteiligen Handelskette des Fairen Handels dazuzählen.

In der Regel sind dies die eigene Organisation der ProduzentInnen, manchmal auch eine Exportorganisation, in Europa dann eine Import- und Großhandelsorganisation, und letztlich die Einzelhändler, bei denen die KonsumentInnen die Produkte erstehen. Manchmal verlängert sich der Weg durch weitere Zwischenstationen, was mit dem Anspruch des Fairen Handels, möglichst allen unnötigen Zwischenhandel auszuschalten, nicht immer 100%-ig zusammenpasst.

Gänzlich ausgeschlossen ist hingegen nicht-fairer oder auch ausbeuterischer Zwischenhandel, bei dem die eine Seite die Notlage der anderen ausnutzt, um den Preis zu drücken. Im Bereich Kaffee gehören dazu die so genannten „Coyotes“, die den Bäuerinnen und Bauern den Kaffee zu einem Preis unterhalb des Marktpreises abkaufen, wenn die Bauern/Bäuerinnen dringend auf Geld angewiesen sind. Häufig sind solche „Coyotes“ auch gleichzeitig Geldverleiher oder Fuhrunternehmer, von denen die Bäuerinnen und Bauern abhängig sind.

 

Siehe hierzu auch die Frage „Wer sind die HandelspartnerInnen?“

Sollten die Produkte nicht stärke im Ursprungsland verarbeitet und verpackt werden, um mehr Wertschöpfung im Land zu lassen?

öffnen

Grundsätzlich ist dies natürlich wünschenswert, in der Praxis aber leider nicht ganz einfach und in vielen Fällen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht umsetzbar.

Da gibt es z.B. Produkte, zu deren Fertigstellung sinnvollerweise europäische Zutaten verwendet werden, wie z.B. bei der aus Rohstoffen unterschiedlichster Provenienz in Europa erzeugter Schokolade (mit europäischer Milch), oder solche Produkte, die sinnvollerweise in unfertigem Zustand transportiert werden, wie z.B. der Orangensaft, der seinen Weg über die Meere in Form eines Konzentrats nimmt, das erst in Europa wieder mit Wasser verdünnt wird.

Manchmal werden auch unterschiedliche nationale Geschmacksvorlieben, wie z.B. bei Kaffeeröstungen, angeführt. Möglicherweise geht es da aber nicht so sehr um den Geschmack als um die bei lokaler Röstung im Kaffeeland wesentlich kompliziertere Warendisposition und die aufgrund vieler Unsicherheiten schwierigere Kalkulationsbasis. So musste schon vor vielen Jahren der in Kuba geröstete „Cubita“-Kaffee von der EZA Fairer Handel wieder aus dem Sortiment genommen werden, weil der Einstandspreis des Kaffees einen kostendeckenden Verkauf nicht mehr zuließ.

Dennoch gibt es im Fairen Handel auch heute schon einige Produkte, die genauso wie sie aus dem Ursprungsland weggehen, hier bei uns in den Handel gelangen. Dazu gehören z.B. die getrockneten Früchte aus den Philippinen, die Tees aus Sri Lanka in ihren handgeflochtenen Verpackungen, u.v.m. Handwerksprodukte werden selbstredend zur Gänze in den Ursprungsländern gefertigt. Da verbleibt also die gesamte Wertschöpfung im Lande selbst.

Gütesiegel

öffnen

Gütesiegel

öffnen

Was garantiert das FAIRTRADE Gütesiegel?

öffnen

Das FAIRTRADE-Gütesiegel besagt den KundInnen zweierlei...

Das FAIRTRADE-Gütesiegel besagt den KundInnen zweierlei, nämlich dass das ausgezeichnete Produkt

1. von einer anerkannten, regelmäßig überprüften ProduzentInnenorganisation gekauft wurde, und
2. dass dieser Handel zu weltweit einheitlich vereinbarten „fairen Bedingungen“ abgewickelt worden ist.

Das Gütesiegel ist ein reines Produktsiegel und sagt nichts über das Produkt Hinausgehendes aus. Insbesondere trifft es keinerlei Aussagen über die anderen nicht ausgezeichneten Produkte oder über die sonstigen Handels- oder Sozialpraktiken eines Unternehmens.

Das Gütesiegel wird in Österreich von FAIRTRADE Österreich mit Sitz in Wien vergeben. Rund 30 Trägerorganisationen aus Entwicklungszusammenarbeit, Kirche, Sozialarbeit, Ökologie und Bildung sind Mitglied. FAIRTRADE selbst handelt nicht mit Waren, sondern vergibt sein Siegel für fair gehandelte Produkte auf der Grundlage von Lizenzverträgen, deren Einhaltung regelmäßig geprüft wird.

FAIRTRADE Österreich ist im internationalen Dachverband der Siegelinitiativen FLO – Fairtrade Labelling Organizations International, mit Sitz in Bonn, eingebunden. Gegenwärtig hat FLO Mitglieder in 24 Ländern1. Zu den Aufgaben von FLO gehört u.a. die laufende Entwicklung von Standards für neue Produktgruppen, die Beratung von ProduzentInnen, internationale Lobby-Arbeit und die Sicherstellung der Kommunikation der nationalen Siegelinitiativen untereinander. FLO garantiert, dass Produkte mit dem FAIRTRADE-Label überall auf der Welt die festgelegten Fair-Handels-Kriterien und Standards erfüllen.

1. FAIRTRADE Labelling Organizations International, www.fairtrade.net/fairtrade-organizations.html (Stand: August 2013).

Siehe auch Fragen über Kontrollen im Fairen Handeldels-Kriterien und Standards erfüllen.

Wofür stehen FAIRTRADE Standards auf Plantagen?

öffnen

FAIRTRADE arbeitet nicht nur mit KleinbäuerInnenorganisationen zusammen, sondern in einigen Produktbereichen auch mit Plantagen.

FAIRTRADE arbeitet nicht nur mit KleinbäuerInnenorganisationen zusammen, sondern in einigen Produktbereichen auch mit Plantagen (u.a. Tee, frische Früchte oder Blumen1. Manche Produkte werden fast ausschließlich (z.B. Tee, Blumen) oder in großen Teilen in Plantagen kultiviert (z.B. Bananen).

Aktuelle Situation:

  • Es gibt ca. 168.000 ArbeiterInnen auf FAIRTRADE-zertifizierten Plantagen. Dies sind ca. 13,5% der FAIRTRADE-ProduzentInnen, gegenüber 86,5% KleinbäuerInnen und Kleinbauern.
  • Ende 2011 hatten 80 ProduzentInnenorganisationen in 11 Ländern weltweit eine FAIRTRADE-Zertifizierung für Bananen, davon 43 KleinbäuerInnenorganisationen und 37 Plantagen.

Auch auf Plantagen gelten klar definierte soziale und ökologische Standards:

  • soziale Grundrechte der lohnabhängigen PlantagenarbeiterInnen;
  • Schutz der Umwelt;
  • Zwangsarbeit und ausbeuterische Kinderarbeit – d.h. solche Arbeit von Kindern, die deren Entwicklung schadet, bei denen ihre seelische und körperliche Gesundheit beeinträchtigt wird oder die ihnen den Schulbesuch verwehrt oder erschwert – sind verboten;
  • Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit am Arbeitsplatz;
  • Gewerkschaftsfreiheit;
  • Mitsprachrecht;
  • Zulassung einer eigenständigen Vertretung der Beschäftigten;
  • Selbständige Verwaltung der FAIRTRADE-Prämie durch ein Gremium aus gewählten VertreterInnen der ArbeiterInnen und Management (Joint Body): Stärkung der ArbeitnehmervertreterInnen durch Schulungen in den Bereichen Finanzen, Dokumentation und Verwaltung;
  • Nutzung der FAIRTRADE-Prämie ausschließlich für Projekte, die vom Joint Body demokratisch ausgewählt wurden: Prinzipiell darf die FAIRTRADE-Prämie nicht zugunsten der PlantagenbesitzerInnen verwendet werden und soll dazu dienen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern.

1. FAIRTRADE Österreich, Fragen und Antworten zur Dokumentation „Der faire Handel auf dem Prüfstand“, Dokumentation von Donatien Lemaître, ausgestrahlt am 6. August 2013 auf ARTE, 07.08.2013, http://www.fairtrade.at/nc/top/news/detailseite-news-startseite/article/fragen-und-antworten-zur-dokumentation-der-faire-handel-auf-dem-pruefstand/

FAIRTRADE Österreich, FAIRTRADE-Standards für Tee, http://www.fairtrade.at/produzenten/tee/fairtrade-standards/ (August 2013)

Es gibt so viele Gütesiegel: Wie soll ich da den Überblick behalten?

öffnen

In den letzten Jahren boomen Umwelt- und Soziallabel, so dass es für die VerbraucherInnen immer schwieriger wird, sich einen Überblick zu verschaffen und eine wohlbegründete Einkaufsentscheidung zu treffen.

Wer sich im Detail über die Vielfalt der im Handel gängigen umwelt- und sozialverträglichkeitsbezogenen Gütesiegel einen Überblick verschaffen will, sei auf die spezialisierte Website www.label-online verwiesen, wo um die 400 verschiedene Label beschrieben und beurteilt werden. Bis Ende 2014 werden um die 600 Labels in der Online-Datenbank abrufbar sein. Auch die Zeitschrift DER KONSUMENT des Vereins für KonsumentInneninformation (VKI) bietet immer wieder diesbezügliche Informationen (www.konsument.at).

 

Für die Pioniere des Fairen Handels in Österreich garantiert das von ihnen mitbegründete FAIRTRADE-Gütesiegel, dass alle ihnen wichtigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Belange eingehalten werden. http://www.fairtrade.at/http://www.fairtrade.net/

Verbreitete Labels in Österreich (Auswahl):

FAIRTRADE Certified Cotton: Zertifizierung für den Rohstoff „Baumwolle“. http://www.fairtrade.net/

Global Organic Textile Standard (GOTS): bietet weltweit einheitliche Richtlinien für die gesamte textile Kette und die strengsten ökologischen und sozialen Standards für die Kennzeichnung von textilen Produkten. http://www.global-standard.org/

Die wichtigsten unternehmensunabhängigen Gütesiegel für soziale und ökologische Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie finden Sie hier

Naturland Fair: Höchste ökologische Standards, die strenger sind als die gesetzlichen Anforderungen der EG-Öko-Verordnung. Ein Produkt kann Naturland Fair zertifiziert werden, sobald der Anteil der Rohstoffe aus fairen Handelsbeziehungen über 50% (Trockengewicht) im Produkt beträgt und die übrigen Rohstoffe nachweislich nach der Naturland Fair Prioritätenliste nicht in Fair Qualität verfügbar sind. Hier geht's zu den Richtlinien.

Rainforest Alliance: Nachhaltigkeitsinitiative, dessen Zertifizierungsstandards von NGOs entwickelt wurden und denen ein umfassendes Zertifizierungssystem zugrunde liegt; vorwiegend ökologische Ziele wie die Eindämmung der Hauptursachen von Abholzung und Umweltzerstörung;

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Ein Produkt mit 30% Inhaltsstoffen aus zertifizierten bäuerlichen Betrieben kann bereits das Siegel führen. Hier gibt es nähere Infos.

 

Das UTZ-Gütesiegel steht für nachhaltige Landwirtschaft bei Kaffee, Kakao und Tee; eigener entwickelter Verhaltenscodex mit Vorgaben zu sozialen und ökologischen Kriterien, die teilweise über gesetzlichen Mindest-Anforderungen hinausgehen. Globale Marken wie IKEA und Nestlé unterstützen die UTZ-Zertifizierung. In Österreich sind UTZ zertifizierte Produkte beispielsweise bei Tchibo und Hofer erhältlich. Hier gibt es nähere Infos.

Verhaltenskodex „4C“ (Common Code of the Coffee Community): Die 4C Association ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, Arbeitsbedingungen und Umweltstandards als breit anwendbarer Mindeststandard für den Kaffee-Massenmarkt zu verbessern. Die 10 „nicht akzeptablen“ Praktiken (Rodung von Regenwald für Anbau, unmoralische Finanztransaktionen etc.) gelten für Mitglieder nur als Empfehlung. http://www.oekotest.de/ http://www.4c-coffeeassociation.org/

FAIRTADE Gütesiegel und Fairer Handel:Gibt es da einen Unterschied?

öffnen

Mit FAIRTRADE wird in Österreich – genauso wie in vielen anderen Ländern – die Gütesiegelorganisation des Fairen Handels bezeichnet. Vereinfacht und abgekürzt wird der Begriff für das Siegel und für damit ausgelobte Produkte verwendet.

Fairer Handel (= Fair Trade) umfasst darüber hinausgehend auch noch solche Produkte, die zwar nicht mit Gütesiegeln versehen sind (einfach deswegen, weil es keine weltweit anerkannten Kriterien für den ganzen Kunsthandwerksbereich gibt) und die von auf Fairen Handel spezialisierten Organisationen angeboten werden, sowie diese Organisationen/Unternehmen selbst.

Viele dieser klassischen Fairhandelsorganisationen fühlen sich in ihrer gesamten Unternehmenspolitik Prinzipien verpflichtet, die der Sozial- und

Umweltverträglichkeit auf ganzheitliche Art und Weise breiten Raum geben. Die 10 Prinzipien des Fairen Handels, die von jeder Fairhandelsorganisation einzuhalten sind, hat die World Fair Trade Organization – WFTO (früher: IFAT – International Fair Trade Association), der weltweit größte Zusammenschluss in diesem Bereich, wie folgt definiert1:

  • Chancen für wirtschaftlich benachteiligte ProduzentInnen schaffen,
  • Transparenz und Verantwortlichkeit,
  • Faire Handelspraktiken,
  • Zahlung eines Fairen Preises,
  • Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit und Zwangsarbeit,
  • Verpflichtung zu Nicht-Diskriminierung, Geschlechtergerechtigkeit und Vereinigungsfreiheit,
  • Gewährleistung guter Arbeitsbedingungen,
  • Aneignung von Kompetenzen (Capacity Building),
  • Förderung des Fairen Handels,
  • Schutz der Umwelt.

WFTO-Mitgliedsorganisationen, wie z.B. die ARGE Weltläden, fühlen sich diesen Prinzipien verpflichtet und achten auf deren Einhaltung, bei sich selbst sowie bei allen anderen HandelspartnerInnen, die WFTO-Mitglieder sind. Dies geschieht mittels eines noch im Aufbau befindlichen ausgeklügelten Monitoringsystems, welches kostengünstige Selbstevaluierungen mit wechselseitigen Kontrollen und Überprüfungen von unabhängigen Dritten kombiniert.

1. Quelle:
WFTO, „10 Fair Trade Standards for member organizations of WFTO“, 24.10.2010,http://doku.cac.at/wfto_standards_of_fair_trade.pdf. Deutsche Übersetzung der 10 WFTO-Kriterien: "Grundsätze des Fairen Handels",http://doku.cac.at/10_wfto_grundsaetze.pdf

Wie sehen die Kontrollen zum FAIRTRADE- Gütesiegel aus?

öffnen

Alle an der FAIRTRADE-Handelskette beteiligten Organisationen, Firmen, ProduzentInnenorganisationen, Exporteure und Importeure unterliegen dem strengen Kontroll- und Zertifizierungssystem von FLO-CERT GmbH, mit Sitz in Bonn.

FLO-CERT arbeitet mit einem transparenten und weltweit vereinheitlichten System, welches den Anforderungen der ISO-Norm 65 folgt.

Der Zertifizierungsprozess beginnt am Beginn der Handelskette, also in den ProduzentInnenländern. Alle FAIRTRADE-besiegelten Produkte stammen ausschließlich von solchen ProduzentInnenorganisationen, die regelmäßig von FLO-CERT besucht und nach einheitlichen Verfahren inspiziert werden.

Näher zu den KonsumentInnen hin wird regelmäßig überprüft, ob die von den Importeuren mit den ProduzentInnen geschlossenen Verträge den FLO-Kriterien entsprechen, ob die Mengen und die Preise passen, usw.

So wird über die ganze Kette hinweg sichergestellt, dass alle besiegelten Produkte tatsächlich fair gehandelt wurden und die Mehreinnahmen auch tatsächlich den ProduzentInnenorganisationen zufließen.

Gibt es noch andere Kontrollen im Fairen Handel?

öffnen

Für alle Aktivitäten, die sich nicht auf FAIRTRADE besiegelte Produkte beziehen (Lebensmittel, für die es keine FLO-Kriterien gibt, wie z.B. Gewürze, oder auch Handwerksprodukte) gibt es inzwischen ein dichtes Geflecht an Kontrollen und Überprüfungen.

Für alle Aktivitäten, die sich nicht auf FAIRTRADE besiegelte Produkte beziehen (Lebensmittel, für die es keine FLO-Kriterien gibt, wie z.B. Gewürze, oder auch Handwerksprodukte) haben Fairhandelsorganisationen selbst dafür gesorgt, dass es inzwischen ein dichtes Geflecht an Kontrollen und Überprüfungen gibt.

Viele der betroffenen Organisationen von ProduzentInnen sind Mitglieder des weltweiten Netzwerkes WFTO – World Fair Trade Organization (früher: IFAT – International Fair Trade Association). Sie sind damit dem Monitoring- und Zertifizierungssystem der WFTO unterworfen, und zwar genau gleich wie ihre Importpartner, sofern diese auch WFTO-Mitglied sind. Letzteres trifft z.B. für die größte Importorganisation des Fairen Handels in Österreich, die EZA Fairer Handel, zu.

Zusätzlich behält die ARGE Weltläden sich das Recht vor, nur ausgewählten Importeuren zu erlauben, Produkte in die Fachgeschäfte des Fairen Handels, also die Weltläden zu liefern. (siehe Frage „Wer ist die ARGE Weltläden und was tut sie?“)

Die so genannten „Anerkannten LieferantInnen“ werden im Auftrag der ARGE Weltläden regelmäßig von einem externen Gutachter überprüft und entsprechend der WFTO-Prinzipien beurteilt. Dabei wird größter Wert darauf gelegt, dass die Unternehmen sich in allen Facetten ihres Unternehmertums fair und partnerschaftlich verhalten und möglichst allen Aspekten der Definition des Fairen Handels (also z.B. auch Lobbyarbeit, Bildungsarbeit) entsprechen.

Derzeit sind 22 Unternehmen als LieferantInnen für die österreichischen Weltläden anerkannt Stand: August 2013).

Kinderarbeit und Kinderrechte

öffnen

Gibt es Kinderarbeit im Fairen Handel?

öffnen

Seit Beginn ist es den Aktiven im Fairen Handel ein Anliegen, dafür zu sorgen, dass die Arbeitsbedingungen der Produzent*innen möglichst umwelt- und sozialverträglich sind. Dazu gehört selbstverständlich die Wahrung der Kinderrechte.

Die Mitarbeit von Kindern im eigenen Familienverbund wird dabei nicht generell verboten. Kinder lernen durch Mithilfe im Haushalt, in der Landwirtschaft oder im Handwerk Fertigkeiten, bekommen Selbstvertrauen und können sich weiterentwickeln. Entscheidend dabei ist, dass die Kinder ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend beteiligt werden. Dieses Mitwirken an dem, was die Eltern tun, gehört vielfach auch bei uns zum Alltag.

Keinen Platz im Fairen Handel hat die ausbeuterische Kinderarbeit. Durch sie werden viele/die Rechte von Kindern und Jugendlichen massiv verletzt. Zum Beispiel das Recht auf Bildung: Arbeitende Buben und Mädchen haben oftmals nicht die Zeit, eine Schule zu besuchen und Hausaufgaben zu machen. Auch das Kinderrecht auf Freizeit wird beschnitten. Wegen der Arbeit bleibt keine Zeit zum Spielen. Insbesondere gefährliche und schwere Arbeiten, wie z.B. in Minen, in Steinbrüchen oder auf Tabakplantagen negieren/verunmöglichen das Recht jedes Kindes auf Gesundheit. Die Hauptursache der Kinderarbeit ist Armut. Nur eine gerechte Bezahlung der Produzent*innen, wie sie im Fairen Handel erfolgt, beugt Kinderarbeit vor/stellt ein probates Mittel gegen Kinderarbeit dar.

Einige Aktivitäten des Fairen Handels haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, das allgemeine Wissen um die Kinderechte zu stärken. Beispiele hierfür sind u.a. das thematische Aufgreifen der Kinderarbeit in der Schokoladenindustrie (europäische Kampagne für faire Schokolade 2013, makechocolatefair.org/), in der Produktion von Fußbällen sowie die zweijährige Kampagne der europäischen Weltläden kids@work von 2006-2007 oder Workshops zum Thema Kinderarbeit und Kinderrechte.

https://unicef.at/kinderrechtsarbeit-oesterreich/kinderrechte/

ProduzentInnen und HandelspartnerInnen

öffnen

Wer sind die ProduzentInnen und HandelspartnerInnen?

öffnen

Kleinbäuerinnen und -bauern, Kunsthandwerker*innen und Lohnarbeiter*innen in Afrika, Asien und Lateinamerika

Die Weltläden arbeiten ohne private Gewinnausschüttung. Ein wesentlicher Anteil des erwirtschafteten Geldes wird in den Fairen Handel sowie in den Weltladen/die Weltläden investiert und kommt so direkt oder indirekt den Produzent*innen zugute. Das sind vor allem Kleinproduzent*innen, Handwerker*innen, Kleinbäuerinnen und -bauern, Plantagenarbeiter*innen und deren Familien, Genossenschaften und Selbsthilfegruppen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Handelspartner*innen im Fairen Handel sind:

  • Zusammenschlüsse von Produzent*innen, z.B. lokale Genossenschaften oder Dachverbände von mehreren Genossenschaften,
  • Unternehmen mit starker sozialer und ökologischer Ausrichtung,
  • NGOs, die sich der Förderung von Produzent*innen verschrieben haben,
  • manchmal auch Exportmittler*innen, wenn Handelspartner*innen selbst keine eigene Exportlizenz haben.

Der Kontakt zu Organisationen des Fairen Handels kann auf vielfache Art zustande kommen, z.B. über bereits bestehende Kontakte zu anderen Produzent*innengruppen, persönliche Kontakte (z.B. Besuche von Produzent*innen in Europa, Teilnahme an nationalen und internationalen Netzwerken, Fachkonferenzen und Handelsmessen, durch Vermittlung über Hilfsorganisationen, u.a. durch systematische Suche nach Organisationen des Fairen Handels, nach bestimmten Produkten oder Partner*innen in einem bestimmten Land usw.).

Heute ist der Faire Handel weltweit eine der größten sozialen Bewegungen.

Die Zahl der Kleinbauernfamilien und der Beschäftigten auf Plantagen im Fairhandels-System stieg bis Ende 2016 auf 1,66 Millionen. Es gibt über 1.400 Fairtrade-Produzent*innen-Organisationen in 73 Ländern.
Quelle: Fairtrade International – Annual Report 2017

Die WFTO hat über 400 Mitglieder in 70 Ländern.

Quelle: WFTO – Annual Report 2017

Etwa sieben Millionen Menschen im globalen Süden profitieren heute vom Fairen Handel. Je nach Perspektive ist dies viel und wenig zugleich. Langfristiges Ziel ist es, dass der Faire Handel zur Norm wird. Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sind deshalb gleichermaßen gefordert, einem neuen Qualitätsbewusstsein zum Durchbruch zu verhelfen, das auch und vor allem die Menschen hinter den Produkten wahrnimmt.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Verkauf fair produzierter und gehandelter Produkte deutlich gesteigert. Zwar bieten die Weltläden als Pioniere des Fairen Handels immer noch das umfassendste Sortiment an, jedoch finden sich auch in österreichischen Supermärkten immer mehr FAIRTRADE-zertifizierte Produkte. Mittlerweile bieten/offerieren rund 5.000 Verkaufsstellen in Österreich Produkte aus dem Fairen Handel. Dabei gehört Österreich im europäischen Vergleich zu den Märkten mit gutem Potential.

Quelle: https://www.fairtrade.at/de/unternehmen/service/zahlen-und-fakten.html

Qualität und Bio

öffnen

Wie ist es um die Produktqualität bestellt?

öffnen

Die besondere Qualität der Produkte aus Fairem Handel steht heutzutage außer Frage.

Jahrelange Investitionen in die Produktentwicklung, laufendes Feedback an die ProduzentInnen und regelmäßige Qualitätskontrollen (sowohl intern als auch in externen Labors) sorgen dafür, dass fair gehandelte Produkte keinen Vergleich zu scheuen brauchen.

Gute und sehr gute Platzierungen bei breit angelegten Konsumententests, wie z.B. durch den VKI-Verein für Konsumenteninformation, die Stiftung Warentest in Deutschland oder Ökotest, bestätigen dies immer wieder. Auch viele TopkundInnen können nicht irren: Zu ihnen gehören inzwischen nicht nur viele VerantwortungsträgerInnen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, sondern auch einige der bekanntesten Haubenköche Österreichs und zahllose anspruchsvolle Großkunden.

Viele der fair gehandelten Lebensmittel sind zudem in Bioqualität lieferbar, regelmäßig kontrolliert von den dafür zuständigen Bio-Organisationen.

Auch bei den Handwerksprodukten arbeiten die Importorganisationen gemeinsam mit den ProduzentInnenorganisationen an der ständigen Qualitätskontrolle und -entwicklung. Zunehmend besuchen ProduzentInnenorganisationen oder die unterstützende Vermarktungsorganisationen auch internationale Handwerksmessen, um sich mit den neuen Trends und den wechselnden Anforderungen des Marktes vertraut zu machen.

Nicht zuletzt weisen die Produkte aus Fairem Handel weit über den gängigen Qualitätsbegriff hinaus, der sich ja nur am Produkt selbst orientiert. Fair gehandelte Produkte weisen als Besonderheit zusätzlich auch noch eine hohe soziale Qualität auf und sind damit vielen anderen Produkten aus der globalisierten Weltwirtschaft weit voraus.

Ist BIO gleich FAIR?

öffnen

Heute tragen viele Produkte des Fairen Handels wie selbstverständlich das Bio-Gütesiegel der BIO-AUSTRIA. So gehören Kaffee, Kakao, Tee oder auch Schokolade in kontrollierter Bio-Qualität längst zu den am häufigsten gekauften Produkten des Fairen Handels.

Seit Mitte der 1980er Jahre hat der Faire Handel großen Wert auf Bio-Qualität gelegt. In vielen Fällen haben spezialisierte Fairhandelsorganisationen den ProduzentInnen dabei geholfen, ihre Produktion auf biologischen Anbau umzustellen. In einigen Fällen haben sie auch daran mitgewirkt, nationale Bio-Zertifizierungsorganisationen aufzubauen, die es heute den Bio-BäuerInnen und -Bauern in den Ländern des Südens leichter machen, Zugang zu Know-How, Beratung und Kontrolle zu haben.

Die mexikanische Kooperative „Uciri“, deren Café Orgánico eines der Starprodukte des Fairen Handels ist, gehört weltweit zu den Pionieren des Bio-Anbaus. Ihr ist es in erheblichem Ausmaße zu verdanken, dass viele ProduzentInnenorganisationen inzwischen den Anbau von Kaffee in Bioqualität beherrschen und damit Kaffee-GenießerInnen weltweit die Möglichkeit haben, zu fair gehandeltem Bio-Kaffee zu greifen.

Die Wichtigkeit des Bio-Anbaus kommt auch darin zum Ausdruck, dass im Fairen Handel für Bio-Produkte auch eine Bio-Prämie an die ProduzentInnen gezahlt wird. Bei FAIRTRADE- und Bio-zertifiziertem Kaffee sind dies z.B. 30 US Cent pro englische Pfund Rohkaffee. (http://www.fairtrade.net/coffee.html)

Kaffee aus dem Weltladen – Fachgeschäft für Fairen Handel – bedeutet für Kaffeebäuerinnen und -Bauern (pro 100 Pfund = 45,4 kg):

  • garantierter Mindestpreis von 140 US-Dollar
  • plus Sozial-Prämie von 20 US-Dollar
  • plus Bio-Prämie von 30 US-Dollar
  • plus Qualitätszuschläge für besondere Sorten

Liegt der Weltmarktpreis über dem garantierten Mindestpreis, wird automatisch der höhere Weltmarktpreis als Basis herangezogen und die Sozial- und Bio-Prämie wird auf diesen aufgeschlagen. (vgl. ARGE Weltläden Presseaussendung zum Tag des Kaffees 22.08.2013,http://www.weltladen.at/de/presse.html)

Seit vielen Jahren gibt es eine wachsende intensive Kooperation zwischen der IFOAM (International Federation of Organic Agricultural Movements), dem weltweiten Verband der Bio-Bäuerinnen und -Bauern, und den internationalen Netzwerken des Fairen Handels.

ern, und den internationalen Netzwerken des Fairen Handels.

Wie klimafreundlich der Faire Handel?

öffnen

Jede Art von Handel bedeutet letztlich auch Transport von Waren und hat damit auch Auswirkungen auf das Weltklima. Dies ist umso stärker der Fall, wenn es sich dabei um globalen Handel zwischen Nord und Süd handelt.

Soll man angesichts des Klimawandels noch Produkte kaufen, die um die halbe Welt herum transportiert worden sind?

Der Transport der Waren im Fairen Handel erfolgt fast ausschließlich auf dem verhältnismäßig klimafreundlichen Seeweg. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen werden Produkte mit Luftfracht angeliefert. Dies trifft auf Frischobst (wie z.B. Ananas) und auf meist kleinvolumige und gleichzeitig hochpreisige Handwerksprodukte (wie z.B. Schmuck) zu. Alle anderen Produkte kommen mittels Schiffcontainer nach Europa, wo sie dann per Eisenbahn und/ oder LKW weiterverteilt werden.

Neben der Transportthematik stellt sich der Klimawandel für einige ProduzentenpartnerInnen inzwischen leider auf einer viel existenzielleren Ebene. Einige von ihnen werden immer öfter Opfer von ungewohnt heftigen Überflutungen, bei anderen sieht es so aus, als ob der Anbau bestimmter Produkte bald nicht mehr möglich sein wird, z.B. Reis in Thailand.

Importorganisationen wie die EZA Fairer Handel und Eine-Welt-Handel sind Betriebe im Klimabündnis (www.klimabuendnis.at). Auch Weltläden lassen sich mittlerweile zu Klimabündnis-Betrieben zertifizieren. Das Klimabündnis wurde 1990 gegründet und ist mittlerweile in 18 Ländern Europas aktiv. Die Ziele der Klimabündnis-Gemeinden, -Betriebe und -Bildungseinrichtungen sind die Verringerung klimaschädlicher Emissionen und der Schutz des Regenwaldes.

Weltläden und ARGE Weltläden

öffnen

Entwicklung der Weltladenbewegung in Österreich

öffnen

Im Jahre 1977 eröffnete in Innsbruck der erste Weltladen Österreichs. In den folgenden zwei Jahrzehnten erlebte die Weltladen-Bewegung einen unglaublichen Aufschwung. Mitte der 1990er gab es bereits über 50 Weltläden in Österreich, heute sind es 90 Fachgeschäfte für Fairen Handel in allen österreichischen Bundesländern/in ganz Österreich.

Was ist das besondere an den Weltläden?

öffnen

Fair gehandelte Produkte finden sich heute in vielen Geschäften. Doch nur in den Weltläden fließen die Erlöse aus dem Fairen Handel wieder vollständig in diesen ein. Aufgrund ihrer Geschichte besitzen die Weltläden großes Know-how auf diesem Gebiet.

Die Weltläden stehen für einen gerechteren weltweiten Handel. Sie sind damit eine echte Alternative zu den bestehenden Welthandelsstrukturen. Die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sind Warenverkauf, Informations- und Bildungsarbeit sowie politische Aktionen und Kampagnen. Die Weltläden arbeiten vorrangig mit wirtschaftlich und politisch benachteiligten Produzent*innengruppen zusammen. Weltläden sind mehr als reine Verkaufsorte. Sie sind Orte der Begegnung sowie des Dialogs und ein Modell dafür, wie Handel auf Augenhöhe mit Partner*innen weltweit praktisch funktionieren kann.

  • Warenverkauf: Weltläden verstehen sich als Brücke zwischen Produzent*innen und Konsument*innen. Den Produzent*innen bieten die Weltläden die Möglichkeit, ihre Produkte ohne unnötigen Zwischenhandel an die Konsument*innen zu bringen. Den Konsument*innen bieten sie die Möglichkeit, in einem ansprechenden Ambiente aus einer breiten Vielfalt von Produkten des Fairen Handels auswählen zu können.
  • Informations- & Bildungsarbeit: Fairer Handel und seine Anliegen verstehen sich nicht (immer) von selbst. Kund*innen werden darüber informiert, woher ein bestimmtes Produkt stammt, unter welchen besonderen Bedingungen es hergestellt wurde und welchen Weg das Produkt auf seiner Reise nach Österreich genommen hat. Die Bildungsarbeit der Weltläden beschränkt sich nicht nur auf Erwachsene, sondern schließt auch junge Menschen mit ein, denen im Rahmen von Workshops an Schulen oder im Weltladen diesbezüglich Wissen vermittelt wird.
  • Kampagnenarbeit: Weltläden sind sich dessen bewusst, dass durch Verkauf und Bildungsarbeit allein ihren Zielen noch nicht ausreichend gedient ist. Deswegen arbeiten sie gemeinsam auf internationaler Ebene, bei Aktionen und Kampagnen zusammen. Dabei geht es immer darum, die politischen Entscheidungsträger*innen für die Belange des Fairen Handels zu interessieren und sie in ihren Entscheidungen zu Gunsten von mehr Fairness im internationalen Handelsaustausch und zur Unterstützung des Fairen Handels zu beeinflussen. Einmal jährlich wird dazu im Mai der Weltladentag (international bekannt als „World Fair Trade Day“) begangen.

Diese drei Aufgabengebiete machen die Weltläden zu „Fachgeschäften für Fairen Handel“.

Wie funktionieren Weltläden?

öffnen

Weltläden werden mehrheitlich von Vereinen geführt, die sich für gerechtere Beziehungen zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden einsetzen.

Weltläden vernetzen sich in Österreich im Dachverband der Arbeitsgemeinschaft Weltläden. Damit verpflichten sie sich zur Einhaltung der WFTO-Kriterien und der selbstgegebenen Kriterien des Fairen Handels. Weitere wesentliche Übereinkünfte aller österreichischen Weltläden sind: ein gemeinsames Erscheinungsbild, Mindest-Öffnungszeiten, die Mitwirkung an gemeinsamen österreichweiten Aktionen, Teilnahme an Vernetzungstreffen sowie an Fortbildungsangeboten für die Mitarbeiter*innen.

Im Weltladen arbeiten in der Regel sowohl bezahlte als auch ehrenamtliche Personen/Mitarbeiter*innen im Team zusammen. Der Verkauf und die dazugehörigen Aufgaben in den Bereichen Bildung, Information und Kampagnen werden aufgeteilt. In der Regel arbeiten in einem Weltladen zwischen 5 und 30 Ehrenamtliche mit.

Wer ist die ARGE Weltläden und was tut sie?

öffnen

Die Arbeitsgemeinschaft Weltläden oder kurz ARGE Weltläden ist die Dachorganisation und Servicestelle der 90 Weltläden und Weltladen-Verkaufsstellen in Österreich und deren Träger*innen (Stand: Jänner 2019). Die ARGE Weltläden wurde 1982 von zwölf Dritte-Welt-Läden mit dem Ziel gegründet, die Kooperation zwischen den Weltladen-Gruppen zu verbessern, Aus- und Fortbildungen für Weltladenmitarbeiter*innen anzubieten, ihre Interessen gegenüber den Lieferant*innen von fair gehandelten Produkten zu vertreten und in der Öffentlichkeit entwicklungspolitische Zusammenhänge aufzuzeigen. Die ARGE Weltläden vergibt die eingetragene Marke Weltladen an ihre Mitglieder.

Ziel der ARGE Weltläden ist es, den Fairen Handel der Weltläden zu festigen und weiterzuentwickeln. Dies will sie im Wesentlichen durch die Stärkung und den Ausbau des Weltladennetzes, die Weiterbildung der Mitglieder, sowie durch allgemeine Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit für den Fairen Handel erreichen.

Mit österreichweiten und regionalen Weiterbildungsveranstaltungen für ihre Mitglieder und die Zivilgesellschaft fairstärkt die ARGE Weltläden das Wissen über den Fairen Handel und setzt sich damit aktiv für ein gerechteres Weltlwirtschaftssystem ein.

 

Und was ist mit den benachteiligten Produzent*innen aus Europa?

öffnen

Einige Fairhandelsorganisationen beziehen einzelne Produkte (z.B. Korbwaren und Kräutertees) von benachteiligten Produzent*innen in Südosteuropa. Der Fokus des Fairen Handels wird aber weiterhin auf der Fairbesserung der ungerechten Handelsbeziehungen zwischen dem globalen Norden und den benachteiligten Regionen im globalen Süden liegen.

Cookies helfen uns die Website zunehmend zu verbessern und Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.Datenschutz