Mit diesem schlichten Beitrag möchten wir ihm etwas zurückgeben: Dank, Respekt und das Eingeständnis, dass seine Stimme vielen von uns geholfen hat, nicht wegzuschauen.
Ziegler war nie der bequeme Mahner. Er war der, der die Dinge beim Namen nannte, der die globale Hungerkatastrophe nicht als Schicksal behandelte, sondern als Folge von Macht, Regeln und Interessen. In seinen Analysen sprach er von einer „kannibalischen Weltordnung“ – hart, zugespitzt, manchmal provokant. Aber dahinter stand etwas sehr Menschliches: die Weigerung, hinzunehmen, dass Menschen verhungern, während genug produziert wird.
In seinem letzten Buch (und in so vielen Texten davor) skizzierte er auch die Aufgabe von Intellektuellen: geistige Waffen zu liefern. Nicht, um Recht zu behalten, sondern um die Welt veränderbar zu machen – und um den Unterdrückten zu ihrem Menschenrecht zu verhelfen. Das ist ein Anspruch, der leicht pathetisch klingt, aber in Wahrheit ganz praktisch ist: Worte können Klarheit schaffen, Klarheit kann Mut schaffen, und Mut kann Handlung werden.
Unvergessen bleibt auch diese einfache, direkte Aufforderung bei der Präsentation seines Buches im Wiener Burgtheater: „Kauft in den Weltläden!“ Ein Satz, der fast zu klein wirkt für die großen Themen – und gerade deshalb trifft. Weil er zeigt, dass Haltung im Alltag beginnt, dass Solidarität nicht nur Meinung ist, sondern Entscheidung: für fairere Strukturen, für mehr Würde in Lieferketten, für eine Wirtschaft, die Menschen nicht als Kostenfaktor behandelt.
Wir danken Jean Ziegler für seine unermüdliche Arbeit, für seine Klarheit, für seine Parteinahme für Menschenrechte – und für den Auftrag, den er hinterlässt: weiterfragen, weiterwidersprechen, weiterhandeln.
Jean Ziegler († 10. Juni 2026) hat Hunger als Menschenrechtsbruch benannt, Intellektuelle zu praktischer Einmischung aufgerufen und sogar in einem einzigen Satz – „Kauft in den Weltläden!“ – gezeigt, wie Systemkritik und Alltag zusammengehören.
Zum Weiterlesen empfehlen wir den Nachruf von Alexander Behr bei Attac und im Standard erschienen. Behr hat viele Jahre mit Jean Ziegler zusammengearbeitet und würdigt ihn als Leitfigur sozialer Bewegungen und unermüdlichen Kritiker von Ungleichheit und Ausbeutung. Vielen Menschen in der Weltladen-Bewegung ist Alexander Behr insbesondere durch seine Begleitung der Lesereise von Emmanuel Mbolela (Buch: Mein Weg vom Kongo nach Europa) bekannt – sowie durch sein Impulsreferat bei der Weltladenkonferenz zum Thema „Imperiale Lebensweise“ (zugleich Titel seines Buches).
Vorstand und Team der ARGE Weltläden, 06 2026